Führende Makler sehen wenig Veränderungen am Freiburger Immobilienmarkt

Ohne den Stadtteil Dietenbach fürchten Experten weiteren Druck im Immobilien-Kessel.

Roland Butz, Abteilungsleiter Immobilienvertrieb im
ImmobilienCenter der Volksbank Freiburg eG, und Oliver Kamenisch, Geschäftsführer der Sparkassen-Immobilien-Gesellschaft mbH in Freiburg, kennen den Markt in und um Freiburg sprichwörtlich so gut wie ihre eigenen Hosentaschen. Sie leiten die beiden führenden Immobilienbetriebe der Stadt und wissen, was beim Kunden gesucht und gefragt ist und wo beim Freiburger Immobilienmarkt die offenen Fragen und Probleme zu finden sind. Im Vorfeld der IMMO 2019 blicken sie zurück auf das Immobilienjahr 2018 und voraus auf die aktuellen Herausforderungen der Branche.

 

Herr Butz, Herr Kamenisch, hinter der Maklerbranche in Freiburg dürfte ein weiteres bewegtes Jahr liegen, wie haben Sie beide 2018 für Ihre Unternehmen erlebt?

Kamenisch:Ich finde, im Vergleich zu 2017 hat sich für uns nicht so wahnsinnig viel verändert. Die Rahmenbedingungen oder Herausforderungen aus dem Immobilienmarkt sind weiterhin gleich. Für uns Makler ist die größte Herausforderung, wie gelange ich an neue Vermarktungsobjekte oder wie komme ich ins Gespräch mit potentiellen, künftigen Verkäufern? Mit unseren Ergebnissen in 2018 sind wir sehr zufrieden. Trotz rückläufiger Fallzahlen im Neubau ist es uns gelungen, das Gesamtergebnis leicht zu steigern.

Butz: Wir haben erneut ein gutes Jahr beim ImmobilienCenter der Volksbank Freiburg hinter uns gebracht, das wie in den letzten Jahren von einer hohen Nachfrage geprägt war. Mit zwei Neubauprojekten im Stadtteil Haslach hatten wir für unsere Kunden attraktive Objekte im Angebot. Beide Projekte wurden auf der IMMO 2018 als Erstpräsentation vorgestellt. Eines der beiden Projekte war schon vor dem ersten Spatenstich komplett verkauft. Die Nachfrage nach Wohnraum ist weiterhin enorm und das Angebot weiterhin knapp. Der Trend der letzten Jahre setzt sich kontinuierlich fort.

 

Seit Jahren kennt der Markt vor allem drei Eckpunkte: Es gibt kaum Flächen, die Nachfrage ist groß, die Preise steigen. Von der angekündigten Entspannung, die vor einem Jahr im Raum stand, ist wenig zu spüren, oder?

Butz: Es gibt weiterhin ein geringes Angebot an Bestandsimmobilien und zu wenig Neubauprojekte, um die Nachfrage nach bezahlbaren Immobilien abzudecken. Resultierend daraus sind die Preise weiter gestiegen. Der Nachfragedruck fließt zwischenzeitlich auch weiter ins Umland. Standorte und Gemeinden mit einer guten Infrastruktur – insbesondere mit guter Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr - werden besonders stark nach-gefragt.

Kamenisch: Von einer Entspannung ist nichts zu spüren. Aus meiner Wahrnehmung heraus hat sich zum vorherigen Jahr nicht viel geändert. Die Nachfrage ist weiterhin hoch, die Immobilienangebote sind rar gesät. Verfügbare freie Grundstücks- oder Entwicklungsflächen für Investoren oder Bauträger werden händeringend gesucht.

 

Die IMMO erfährt in diesem Jahr eine starke Aufwertung durch den Fachkongress IMMO-Update. Welches Ziel wird damit verfolgt?

Kamenisch: Herr Butz und ich sind neben weiteren Maklern und Bauträgern in der Arbeitsgruppe der Immobilienmesse vertreten. Hierbei haben wir uns auch darüber Gedanken gemacht, wie wir die Immobilienmesse noch breiter in den Fokus der Öffentlichkeit stellen können. Die Immobilienmesse war ja die vergangenen Jahre aufgrund der großen Angebotsknappheit eher eine Messe der Kaufinteressenten. Wir möchten nun aber das Gespräch und den Informationsaustausch mit Immobilieneigentümern, Kapitalanlegern und Investoren suchen. Mit dem Fachkongress haben wir hierbei nach unserer Meinung eine ideale Plattform gefunden, die die eigentliche Immobilienmesse am Samstag und Sonntag sinnvoll ergänzt und aufwertet. 

Butz: Das Format besteht aus verschiedenen Fachvorträgen und einer hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion im Rahmen eines Pre-Openings zur IMMO-Messe. Durch die guten Kontakte der Messe und des Beirates gelang es uns, in relativ kurzer Zeit renommierte Redner sowie eine exzellente Expertenrunde für die anschließende Podiumsdiskussion zu gewinnen. Ziel der Veranstaltung ist es, dass sich Investoren, Projektentwickler, Bauträger und weitere Marktteilnehmer über die aktuellen Themen der Immobilienwirtschaft Informationen aus erster Hand von Experten holen können. Zeitgleich vielleicht auch die ein oder andere knifflige Frage aus dem Publikum geklärt werden kann. Dieses Format verleiht der IMMO-Messe nochmal eine größere Relevanz

 

Im Februar steht nicht nur die IMMO-Messe an. Es wird auch zum Bürgerentscheid über den neuen Stadtteil Dietenbach aufgerufen. Was denken Sie, wird der Stadtteil verhindert oder wird er kommen? Was passiert, wenn der Bürgerentscheid das neue Stadtviertel verhindert?

Butz: Es gibt viele Befürworter aber auch genauso viele Menschen, die dem geplanten Stadtteil kritisch gegenüberstehen. Der Bürgerentscheid ist sicherlich offen und ein gutes, basisdemokratisches Instrument, um die Bürger miteinzubeziehen. Wenn der Stadtteil durch den Bürgerentscheid verhindert wird, steigt der Druck im Immobilienmarkt in Freiburg sicherlich erneut. 

Kamenisch: Bürgerentscheide tragen nach meiner Wahrnehmung immer sehr viel Emotion in sich. Die Befürworter des Bürgerentscheids und somit die Gegner des neuen Stadtteils Dietenbach werden sicherlich einige Wähler mobilisieren können. Aber wie gelingt es den Befürwortern des Stadtteils - und damit meine ich insbesondere die Stadt Freiburg - die möglichen Befürworter des Stadtteils zu mobilisieren? Der Ausgang des Wahlergebnisses ist daher für mich absolut offen. Sollte der Bürgerentscheid Dietenbach verhindern, so wäre dies für Freiburg aus meiner Sicht eine sozialpolitische Katastrophe.

 

Die Gegner eines neuen Stadtteils setzen auf Nachverdichtung und Aufstockungen. Ist das eine Alternative zu neuen Wohnquartieren?

Kamenisch: Nach meiner Meinung sind das keine Alternativen zu neuen Wohnquartieren sondern lediglich Ergänzungen. Bis es zur Realisierung von neuen Wohnquartieren wie Dietenbach kommt, dauert dies mitunter mehrere Jahre. Diese Zeit haben die aktuell Suchenden einfach nicht. 

Butz: Nachverdichtung und Aufstockung sind nur ein weiteres Puzzlestück, um die hohe Wohnungsnachfrage zu decken. Wenn man die Zahlen objektiv betrachtet, führt kein Weg daran vorbei, dass neue Flächen für Neubauten bereitgestellt werden müssen.

 

Die Wohnungssituation in Freiburg bleibt somit spannend und angespannt. Wie wird sich der Markt in der näheren und mittleren Zukunft entwickeln?

Butz: Wenn die Zinsen weiterhin so niedrig bleiben - und danach sieht es momentan aus - wird die Nachfrage nach Immobilien zur Eigennutzung aber auch bei Kapitalanlegern hoch bleiben. Was eine große Nachfrage bei einem geringeren Angebot bedeutet wissen wir ja bereits aus den vergangenen Jahren. Diese Situation bleibt erstmal unverändert.    

Kamenisch: Ich bin ebenfalls der Meinung, dass der Immobilienmarkt auch weiterhin äußerst angespannt bleiben wird. Möglichkeiten der Entspannung sind nur mittel- oder sogar langfristig zu sehen – sofern Dietenbach kommen sollte!

Die Pressemitteilung finden Sie hier zum Download (PDF).