Freiburg ist eine der fünf teuersten Städte Deutschlands - Tendenz steigend

Ohne den neuen Stadtteil Dietenbach drohen weiterhin Engpässe und steigende Preise.

Der Druck ist nach wie vor groß: Der Freiburger Wohnungsmarkt kann die große Nachfrage nach Wohnraum innerhalb der Stadtgrenzen kaum befriedigen. Neue Perspektiven sollen mit dem Stadtteil Dietenbach kommen, doch dessen Zukunft hängt vom Ausgang eines Bürgerentscheids ab. Hugo W. Sprenker, der Vorsitzende des Freiburger Gut-achterausschusses und ehemaliger Vizepräsident und Schatzmeister des Bundesverbands IVD der Immobilienbranche in Deutschland, Dozent an der Deutschen Immobilien-Akademie DIA und Handelsrichter am Landgericht in Freiburg ist mit dem Markt vertraut und weiß: Ohne den neuen Stadtteil wird sich die Lage am Wohnungsmarkt in der Stadt noch einmal verschärfen.

? Herr Sprenker, durch Ihre Arbeit im Immobilienverband IVD sind Sie nicht nur mit der Lage in Freiburg vertraut. Wo steht die Stadt beim Thema Wohnen im Bundesvergleich? Ist Freiburg wirklich so ein teures Pflaster?

Hugo W. Sprenker: Wir haben das im Verband geprüft und festgestellt: Freiburg ist die fünftteuerste Stadt in Deutschland neben München, Hamburg, Stuttgart und Berlin. Da die Stadt aber mit knapp 230.000 Einwohnern deutlich kleiner ist, fällt das nicht so arg auf in den bundesweiten Vergleichstabellen der Großstädte. Die Zeiten des Überangebots am Markt sind bei uns jedenfalls seit über 20 Jahren längst vorbei und die Entwicklungsmöglichkeiten der Stadt sind räumlich eingeschränkt.

? Für Menschen mit niedrigeren Einkommen macht das die Wohnungssuche in der Stadt sehr kompliziert. Dem will die Verwaltung nun mit Korrekturen bei der Wohnungspolitik entgegentreten. Wie schwer ist es, auch für niedrigere und mittlere Einkommen bezahlbare Wohnungen in Freiburg zu erstellen?

Sprenker: Es ist schwer! Subventionierten Wohnraum konnte man früher erreichen, indem man die Kreditzinsen aus öffentlichen Geldern bezuschusste. Heute klappt das nicht mehr, da die Zinsen so niedrig und die Baukosten so stark gestiegen sind. Das wird sich wohl in Europa auch mittelfristig nicht ändern: Die anziehenden Zinsen in den USA haben bei uns beispielsweise keine Auswirkungen bisher. Und die Baupreise sind auch durch hohe Baustandards mit geprägt, die man bei uns einhalten muss. Der lokale Markt wird letztlich dadurch bestimmt, dass das Angebot so knapp ist, was unweigerlich zu weiterhin steigenden Mieten und Grundstückskosten führt. Auch im Umland: Gemeinden wie Waldkirch, Emmendingen, Bad Krozingen oder Breisach sind verkehrstechnisch so gut an die Stadt angebunden, dass auch dort die Nachfrage entsprechend weiter wachsen wird.

? Wie kann in diesem Spannungsfeld das Thema subventionierter Wohnraum in Freiburg angegangen werden?

Sprenker: Was der Stadt als Alternative bleibt, ist eine Bezuschussung über den Boden, auf dem gebaut werden soll. In Freiburg ist es das Dietenbachareal mit dem Stadtbau als bevorzugtem Akteur. Letzteres führt übrigens auch zu einem Rückgang der Gewerbesteuereinnahmen, aber das nur nebenbei. Ich bin jedenfalls sehr gespannt, wie der Bürgerentscheid ausgehen wird: Wenn wir Dietenbach nicht bauen können, fehlen uns rund 7.000 Wohnungen auf einen Schlag, die wir nicht kriegen. Ich habe wirklich keine Ahnung, was wir dann machen würden!

? Die Gegner des neuen Stadtteils argumentieren, dass man viel Wohnraumbedarf durch Aufstockungen, Ausbaumaßnahmen im Bestand und Innenverdichtung decken kann. Was ist da dran?

Sprenker: Solche Maßnahmen sind immer schwer zu machen: Der Aufwand ist groß, die Kosten ebenfalls, man muss zusätzliche Stellplätze vorhalten, und dann hat man am Ende noch die Anwohner, die gegen die Maßnahme sind. Sehr attraktiv ist das für Bauherren nicht. 

? Schauen wir abschließend noch kurz auf die IMMO 2019: Die Messe wird in diesem Jahr erstmals um den Fachkongress IMMO-Update erweitert, welcher Zweck wird damit verfolgt?

Sprenker: Ich bin sehr froh, diesen Kongress mit angeschoben zu haben. Eine Erweiterung der Messe auf drei Tage ist für viele Aussteller schwer umsetzbar, so dass wir am Ende die Idee dieser Veranstaltung entwickelt haben. Mit dem Kongress wird die Messe in ihrer Beraterkompetenz gestärkt - die Menschen kommen ja zur IMMO, weil sie Lösungen für Fragen zum Thema Immobilien suchen. Mit dem Kongress und den hochkarätigen Referenten dort bieten wir ein weiteres, attraktives Angebot, um immobilienwirtschaftliche Zusammenhänge für unsere Kunden darzulegen: Je besser Kunden informiert sind, desto besser verstehen sie, was die Fachleute ihnen näherbringen möchten.

? Herzlichen Dank für das Gespräch!

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